Geschichte

Der Internationale Wettbewerb "Königin Fabiola" wurde durch die Königliche Carillonschule "Jef Benyn" zum ersten Male im Jahre 1987 ausgerichtet. Die Messlatte lag sehr hoch, denn der Wettbewerb sollte auf höchstem Niveau veranstaltet werden. Man wollte zunächst einen Wettbewerb unter dem Titel "Elisabeth-Wettbewerb" stiften. Die Initiative wurde vom damaligen Direktor der Schule, Jo Haazen ergriffen. Königin Fabiola, welche schon die Schirmherrschaft über die Carillonschule übernommen hatte, war ebenfalls bereit, diese auch für den Wettbewerb zu übernehmen. Sie besuchte die Finals der Jahre 1990, 1993 und 2003 und übergab jeweils persönlich den ersten Preis. Ursprünglich war die Ausschreibung des Wettbewerbs in einem Rhythmus von drei Jahren geplant. Ab dem Jahre 1998 wechselte man zu einem Fünfjahresrhythmus.

Nunmehr ergibt sich für den siebten Wettbewerb eine Besonderheit. Im Jahre 2014 findet in Antwerpen und Brügge der Internationale Carillonkongress statt.. Das ist Anlass genug, um den Internationalen Wettbewerb "Königin Fabiola" ebenfalls in diesem Jahr zu veranstalten. Der Wettbewerb wird in Zusammenarbeit mit der Flämischen Carilloneursvereinigung als Vorveranstaltung des Kongresses in dessen Programm aufgenommen, so dass mehr ausländische Carilloneure die Gelegenheit zum Zuhören erhalten können.

 

Im Jahre 1987 wollte man einen neuen Wettbewerb als Alternative für die bisherigen von der Carillonschule ausgelobten Preis unter den Namen "Leon Henry" und Prosper Verheyden" anbieten. Die Messlatte wurde schnell ein Stück höher gelegt. Eine Musikkommission, bestehend aus den Dozenten der Carillonschule und weiteren ausgewiesenen Musikspezialisten, zeichnen für einen Wettbewerb auf allerhöchstem Niveau verantwortlich. Die Teilnehmer müssen ein Repertoire von neun Musikstücken aus drei Stilperioden von allerhöchstem Schwierigkeitsgrad präsentieren. Dieses wird durch ein speziell für den Wettbewerb komponiertes Pflichtwerk ergänzt. In der Vorrunde wählt die Jury die Finalisten aus, welche an den beiden Finalrunden teilnehmen. Seit dem Jahre 2003 wählt die Jury anstelle von sechs nur noch fünf Finalisten aus. Ein Finalist muss sein Können drei Tage lange auf dem Konzertcarillon der Sankt-Rombouts-Kathedrale unter Beweis stellen. Das macht den Internationalen Wettbewerb „Königin Fabiola" weltweit zum schwersten Carillonwettbewerb überhaupt. Von den Teilnehmern wird im Hinblick auf die Musikalität und die Spieltechnik das Äußerste abverlangt. Die Kondition und die Konzentrationsfähigkeit muss hier besonders unter Beweis gestellt werden.

 

Das Pflichtwerk wird jeweils von einem bekannten Komponisten geschrieben, welcher mit den Eigenheiten des Instruments Carillon vertraut ist:

  • 1987: Sonate voor beiaard von Jos Van Looy, Dozent am Königlich Flämischen Musikkonservatorium von Antwerpen und Direktor der Musikakademie in Lier.
  • 1990: Ballade voor beiaard von Peter Cabus, Dozent am Königlichen Konservatorium von Brüssel und Direktor des Städtischen Konservatoriums von Mechelen.
  • 1993:  Prelude, Adagio and Fugue von John Gouwens, Carilloneur und Organist der Culver Military Academy, Culver (Indiana, USA). Dieses Werk gewann den Kompositionspreis, welcher im selben Jahr durch die Königliche Carillonschule vergeben wurde.
  • 1998: Sprookje op de naam Fabiola von Kristiaan Van Ingelgem, Dozent am Königlich Flämischen Musikkonservatorium von Antwerpen und bekannter Konzertorganist.
  • 2003: We ring, we chime, we toll von Geert D'hollander, Dozent an der Königlichen Carillonschule und Stadtcarilloneur von Antwerpen. Dieses Werk gewann den Kompositionspreis, welcher im selben Jahr durch die Königliche Carillonschule vergeben wurde.
  • 2008: Soliloquy von John Courter, Carilloneur des Berea College, Berea (Kentucky, USA), einer der bedeutendsten Carillonkomponisten der USA.

Für den siebten Internationalen Wettbewerb „Königin Fabiola" wurde das Pflichtwerk von dem international bekannten Komponisten und Dirigenten Frédéric Devreese geschrieben. Dieses Mal wurde außerdem ein zweites Pflichtwerk in der Besetzung Streichorchester und Carillon von Geert D'hollander komponiert. Dieses bedeutet eine neue Entwicklung in der Carillonkunst. Das klassische Turminstrument findet nun durch die Konstruktion von transportablen Carillons den Weg in den Konzertsaal. Es ist nunmehr möglich, zusammen mit anderen Instrumenten oder Ensembles zu musizieren.

 

Die Jury besteht aus einer ausgewählten Gruppe von Carilloneuren und Musikern aus verschiedenen Ländern. Es sind die drei großen Carillonnationen Belgien, die Niederlande und die USA vertreten, sowie Deutschland, Spanien, Portugal, Frankreich, Norwegen und Australien. Auch Musiker, welche keine Carilloneure sind, sind Mitglieder der Jury. Während Carilloneure mit viel technischem Fachwissen urteilen, hören die Letztgenannten mit einem unbefangenen Ohr. In den vorausgegangenen Wettbewerben waren dies unter anderem Vic Nees, Peter Cabus, Wilfried Westerlinck, Frédéric Devreese und Jan De Maeyer.

 

Die große Bandbreite der Teilnehmer dokumentiert das große Ansehen, welches der Wettbewerb genießt. Seit dessen erster Veranstaltung haben Carilloneure aus vielen Ländern teilgenommen: Belgien, Niederlande, Frankreich, Vereinigte Staaten von Amerika, Russland, Dänemark, Australien, Polen, Portugal und Spanien. Einige der Preisträger sind heute Dozenten an berühmten Carillonschulen oder spielen die Instrumente der wichtigsten Türme.

 

Die Gewinner der bisherigen Wettbewerbe sind:

  • 1987: Geert D'hollander (Belgien)
  • 1990: Boudewijn Zwart (Niederlande)
  • 1993: Gideon Bodden (Niederlande)
  • 1998: Tom Van Peer (Belgien)
  • 2003: Twan Bearda (Belgien)
  • 2008:
    • 1. Kenneth Teunissen (Belgien)
    • 2. Toru Takao (Japan)
    • 3. Malgosia Fiebig (Polen)
    • 4. John Lehrer (USA)
    • 5. Monika Kazmierchak (Polen).